Predigt zur Priesterweihe
Predigt zur Priesterweihe
Vor allem wird Sie die Feier des heiligen Meßopfers stützen.
Meine lieben Brüder, seien wir uns der Größe unserer Christenwürde bewußt! Durch die heiligmachende Gnade sind wir bereits zu Auserwählten des Himmels geworden. Bewahren wir diese Gnade bis zum Ende unserer Tage. Dann können wir sicher sein, daß wir Auserwählte für den Himmel sind. Dann werden wir eines Tages in den Schoß der allerheiligsten Dreifaltigkeit eingehen. Wir dürfen die Ehre des lieben Gottes singen und werden mit Unserem Herrn Jesus Christus, mit Seinem Mystischen Leib, vereint sein. Alle Sakramente helfen uns, diese heiligmachende Gnade zu verstärken, zu vermehren und ihr neues Leben zu verleihen. Diese heiligmachende Gnade ist nichts anderes, als die Göttlichkeit Unseres Herrn Jesus Christus. Durch den Heiligen Geist wird die heiligmachende Gnade für immer in unsere Seele eingegossen. Die theologischen Tugenden, Glaube, Hoffnung, Liebe, und alle übrigen übernatürlichen Tugenden, erhalten wir dadurch geschenkt. Das ist bereits der Himmel unserer Seele.
Wenn wir diese Lehre aufgeben, sind wir nicht mehr katholisch. Wir werden dann nicht mehr in der Geschlechterfolge aller Heiligen stehen, die die Gegenwart der heiligmachenden Gnade in ihrer Seele bekundet haben. Welche Größe liegt im heiligen Meßopfer. Durch das Blut Jesu Christi, durch Jesus, den wir empfangen, nimmt unsere heiligmachende Gnade an Kraft, Stärke und Weisheit zu. Unsere Seele vereint sich mit Unserem Herrn Jesus Christus, der unser Glück im Himmel sein wird! Wie schön ist das alles. Wie tröstlich ist das, inmitten der Leiden, der Schwierigkeiten und der Opfer unseres Lebens! ... In wenigen Augenblicken werden Sie zu Priestern geweiht. Als Priester Unseres Herrn werden Sie an der Gnade teilhaben. Sie werden an dieser Gnade der hypostatischen Union Unseres Herrn, die Ihn zum Priester gemacht hat, teilhaben. Durch Seine Gnade der Vereinigung der Menschheit mit der Gottheit Jesus ist Er zum Priester geworden, zum Priester aller Zeiten, Priester gestern, Priester heute, Priester morgen, Priester in Ewigkeit. Sie werden durch diese Gnade an der Vereinigungsgnade Unseres Herrn Jesus Christus teilhaben. Sie werden ebenfalls Priester in Ewigkeit sein. Es ist Ihre Aufgabe, diesen Glauben, diese Hoffnung und diese übernatürliche Liebe zu bekunden, überall wo Sie sein werden. Mögen Sie in Ihrer Predigt, in Ihrer Art, wie sie das heilige Meßopfer feiern und die Sakramente spenden, in Ihrem Verhalten gegenüber den Gläubigen, wirklich das sein, was der hl. Johannes der Täufer gewesen ist. Lucerna lucens et ardens, eine Leuchte, die erhellt und zugleich brennt, ein Strahlen voll Liebe, das ein Brennen des Heiligen Geistes ist. Das erwarten die Gläubigen von Ihnen in dieser wieder heidnisch, naturalistisch und rationalistisch gewordenen Welt. Diese Welt, die nur noch an die Vernunft glaubt. Sie glaubt nur noch an ihr freies Denken und an ihren freien Willen. Sie, meine lieben Freunde, werden die übernatürlichen Wirklichkeiten und die theologischen Tugenden, Glaube, Hoffnung und Liebe, lehren. Sie werden den Glauben an Jesus Christus lehren. Er ist der Gegenstand und die Quelle unseres Glaubens. Er wird die Entfaltung unseres Glaubens in der himmlischen Glorie, in der visio beatifica, sein. Diese großen und schönen Wirklichkeiten werden Sie allen Gläubigen predigen. Die Gläubigen werden sich dadurch gestützt fühlen und wirklich das fortsetzen, was die katholische Kirche immer gewesen ist. Sie werden die Hoffnung und die Tugend des Pilgers bewahren. Wir sind auf dem Weg. Auf welchem Weg? Wir sind auf dem Weg zu Gott, zum Paradies, zum Himmel. Jeden Tag verlassen Hunderttausende von Seelen diese Erde. Wohin gehen sie? Zu welchem Ziel? Zu welchem Endpunkt? Lehren Sie die Hoffnung. Sie werden die Hoffnung auf das Wort Gottes lehren. Aber Sie werden auch die Hoffnung lehren, in Furcht und Zittern unser Heil zu erringen, um dadurch die Sünde zu meiden, die uns von diesem Hauptziel trennen würde.
Schließlich werden Sie die Helden der Liebe sein. Ihre Liebe wird der Liebe der Apostel nach dem Pfingstereignis gleichen, nachdem sie den Heiligen Geist empfangen hatten, „et repleti sunt Spiritu Sancto — und es wurden alle mit dem Heiligen Geist erfüllt”, „loquentes magnalia Dei — die großen Taten Gottes verkündigend” (Apg 2, 4.11). Was war die Wirkung dieser Ausgießung des Heiligen Geistes? Die Apostel sangen die Großtaten Gottes. Auch Sie sind dazu berufen, die Großtaten Gottes zu besingen. In einigen Augenblicken werden Sie in Überfülle den Heiligen Geist empfangen. Dadurch werden Sie Priester Unseres Herrn sein. Sie werden den Ruhm und die Großtaten des lieben Gottes singen. Vor allem das verleiht der Heilige Geist. Schließlich wird das unser Glück im Himmel sein, den Ruhm Gottes zu singen.
Widmen Sie sich ganz Ihrem Nächsten. Sie werden ganz und gar für Ihren Nächsten da sein. Gehören Sie nicht zu den Menschen, die andere senden, um den Kranken, die heilige Kommunion zu bringen, um denen Hilfe zu bringen, die leiden. Gehen Sie selbst zu den Menschen, spenden Sie ihnen die Sakramente und geben Sie ihnen das wahre Wort jenes Glaubens, den Sie selbst haben, jenen tiefen Glauben an Unseren Herrn Jesus Christus. Widmen Sie sich dem Unterricht, dem Katechismusunterricht, also dem Unterricht in der Wahrheit. Seien Sie wahre Priester!
Vor allem wird Sie die Feier des heiligen Meßopfers stützen. Der Priester ist für das Opfer geschaffen. Das Opfer kann ohne Priester nicht bestehen. Sie werden ein Opfernder sein, der jeden Morgen zum Altar emporsteigt. Mit welcher Freude, mit welchem Gefühl der Dankbarkeit gegen Unseren Herrn Jesus Christus und mit welchem Verlangen werden Sie zum Altar emporsteigen. Sie werden Unseren Herrn Jesus Christus auf den Altar herabkommen lassen und Ihn den Seelen geben! Es gibt nichts Schöneres für einen Priester, als die allerheiligste Eucharistie auszuteilen und Jesus den Seelen zu geben. Es gibt nichts Schöneres, nichts Größeres, nichts Erhabeneres!
Danken Sie dem lieben Gott nach dieser Weihe. Alle, die heute anwesend sind und sich mit Ihnen vereinen, freuen sich in ihrem Herzen bei dem Gedanken, daß es eine erhebliche Anzahl Priester mehr geben wird. Sie freuen sich über wahre Priester, heiligmäßig lebende Priester und wirkliche Apostel, die die Mission Unseres Herrn fortführen. Das ist die Kirche, das ist ein Bild der Kirche. Heute erleben wir einen wahrhaft großen Augenblick der Kirche. … Meine lieben Freunde, bitten Sie Ihre gute himmlische Mutter, daß sie Ihnen hilft, das zu erfassen, was das Priestertum bedeutet. Sie ist die Mutter des ewigen Priesters. Sie hat mehr als alle anderen verstanden, was ihr göttlicher Sohn ist. Sie hat die Größe des Priestertums ihres Sohnes verstanden. Sie wird auch Ihnen helfen, die Größe Ihres Priestertums zu erfassen. Lieben Sie die allerseligste Jungfrau Maria. Beten Sie zu ihr. Sorgen Sie dafür, daß sie von allen, die um Sie sind, geliebt wird. Dann werden Sie wahre Brüder Jesu und wahre Kinder Mariens sein. (Mgr. Marcel Lefebvre, Predigt am 29. Juni 1983 in Ecône, in: Damit die Kirche fortbestehe, 504-507)]

