Die Eucharistie
Die Eucharistie
Die ersten christlichen Gemeinschaften fanden sich in der Eucharistie als Urquell ihrer Einheit zusammen.
Die Eucharistie
„Jenes höchste und bei weitem heiligste Sakrament wird mit diesem Namen benannt, im Vergleich zudem die Kirche nichts Würdigeres, Wunderbareres, Wirk-sameres und Heilbringenderes hat. Und ganz richtig wird die Eucharistie gleichsam als gute Gnade oder Danksagung bezeichnet, weil sie als das herausragendste und größte Geschenk Gottes die Quelle und den Urheber aller Gnade umfasst. … Wir können keine größere Wohltat erhoffen, als dass Christus Jesus, unser Herr, der von der Jungfrau geboren wurde, der gekreuzigt und in Herrlichkeit aufgenommen (1 Tim 3,16) wurde, sich uns ganz so schenkt, dass wir auch jetzt seinen Leib und sein Blut wahrhaft empfangen und ihm durch dieses göttliche Sakrament ganz und gar einver-leibt werden.“ (Petrus Canisius, Der große Katechismus. Ins Deutsche übertragen und kommentiert von Hubert Filser und Stephan Leimgruber, Regensbrug 2003, 149-150)
Bei der Feier des heiligen Meßopfers wird der Liebes- und Erlösungstod des Gottmenschen Jesus Christus am Kreuz geheimnisvoll, unblutig, wirklich und wahrhaft gegenwärtig gesetzt. Die Eucharistie sollte zweifellos nicht nur von den Christen empfangen werden, sondern sie ist auch eingesetzt gleichsam als höchstes und eigentümliches Opfer, das im Neuen und ewigen Bund allerorts dargebracht wird.
Die Eucharistie ist ein heiliges Gastmahl, in dem Christus empfangen, das Ge-dächtnis seiner Passion gefeiert, der Geist mit Gnaden erfüllt und uns die Gabe künf-tiger Herrlichkeit gegeben wird, wie die Kirche angeregt durch sinnliche Erfahrung, das Besondere dieser Früchte besingt: Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist (Joh 6,58) und der Welt das Leben gibt, unsere Herzen im geistlichen Leben erhält und stärkt. Dies ist die heilige Versammlung und Gemeinschaft, die bezeichnet und gewährt, was die Gläubigen als Glieder des Mystischen Leibes untereinander ver-bindet und durch die Verdienste aller Heiligen und Frommen vereint. Dann, was noch erhabener ist, vereinigt sie diese mit dem Haupt Christus sehr eng, damit sie in ihm bleiben und er in ihnen, und dass sie so das ewige Leben erlangen .
Damit erhellt sich auch der lapidare Satz des Thomas von Aquin: „Der ganze Ritus der christlichen Religion leitet sich her vom Priestertum Christi“ (S.th. III, 35, 7 ad 1) . Auch dem sogenannten einfachen Volk wurde ein staunendes Erfassen dieses Glaubensgeheimnisses mit- und nachvollziehbar vermittelt .
Was ist von der Einführung der „neuen“, aktuellen oder auch „ordentli-chen“ Messform zu halten?
„Vorurteile verdummen nur den, der sie für Schlussfolgerungen hält“, schrieb Gomez Davila in seinen Aufzeichnungen. Also beginnen wir, gewisse gut vermittelte Vorurteile als solche darzustellen, damit falsche Schlussfolgerungen abgebaut wer-den können.
1. Die sogenannte „Neue Meßordnung“, der Novus Ordo Missae (NOM) von 1969, ist nicht die Messe des (einzigen „Pastoral“-) Konzils, dessen festliche Schluß-feier auf dem Petersplatz ja bekanntlich schon am 8. Dezember 1965 gefeiert wurde. Während des gesamten Zweiten Vatikanischen Konzils wurde also die tridentinische Messe gefeiert.
2. Der NOM 69 ist keine legitime Frucht des Konzils, da er wesentliche Be-schlüsse der Konstitution über die heilige Liturgie (Sacrosanctum Concilium) vom 4. Dezember 1963 mißachtet . Legitime Frucht des Konzils war die tridentinische Messe in der Form von 1965. Bereits am 24. Oktober 1967 wurde bei der ersten Vollver-sammlung der Bischofssynode in der Sixtinischen Kapelle die missa normativa von Annibale Bugnini selbst vorgeführt – im Wesentlichen also der spätere NOM 69 -, jedoch entschieden von den meisten Bischöfen abgelehnt.
3. Der Papst oder ein Konzil (mit dem Papst) haben zwar das Recht, die Litur-gie zu ordnen, aber nicht sie gänzlich zu ändern. Wenn der Ritus auf dem Weg all-gemeiner Gewohnheit entstanden ist – und daran besteht für einen Kenner der Li-turgiegeschichte kein Zweifel -, kann er als Ganzes nicht neu geschaffen werden .
Dankenswerter weise hat unser Papst Benedikt XVI. in dem am 7. Juli 2007 veröffentlichten Motu Proprio „Summorum Pontificum“, welches mit 14. September 2007 in Kraft trat, festgestellt, daß die bis 1969 in der Westkirche verpflichtende „tri-dentinische Messe“ niemals verboten war, auch gar nicht verboten werden kann, und deshalb allen Priestern erlaubt ist. Dasselbe gilt für das entsprechende Brevier und alle Formen der Sakramentenspendung. Diesen Stand theologischer Reflexion teilten bereits vorher nicht nur Mgr. Marcel Lefebvre , sondern alle Gläubigen, Or-denleute und Priester, welche der Teilnahme bzw. Feier der tridentinischen Messe treu geblieben sind.
Was hat es inhaltlich, also dogmatisch gesehen, mit dem NOM 69, also der neuen Meßordnung von 1969, auf sich?
Wie verschiedenste renommierte Theologen, ja selbst Kardinäle bewiesen ha-ben, enthält „die Messe Pauls VI.“ zwar explizit keine Häresien, aber sie drückt den aktuellen Glaubensstand nicht eindeutig, exklusiv aus und führt damit in die Häre-sie. Diesbezüglich kann nach Georg May u. a. angeführt werden:
1. Die Definition des eucharistischen Opfersakramentes ist für einen gläubigen katholischen Christen unannehmbar;
2. die Zurückdrängung des latreutischen Elements, also der Anbetung Gottes in Geist und Wahrheit, ist eine sträfliche Verarmung in Bezug auf das Hauptziel von Liturgie überhaupt;
3. die Gebete zur Opfervorbereitung sind unzulänglich, „aus der Teilnahme an der Opferung wird eine Versammlung von Philantrophen und ein Wohltätigkeitses-sen werden“ (Kurze kritische Untersuchung des neuen „Ordo Missae“, 12);
4. vielfach werden trinitarische Formeln, also Bezeugungen zu Ehren der Drei-faltigkeit, unterdrückt; andere wichtige Gebete sind ersatzlos gestrichen;
5. die neuen Kanones, also Hochgebete, sind dogmatisch ungenügend;
6. die Stellung des Priesters beim Opfervollzug ist abgeschwächt;
7. die Ausstattung des Gotteshauses und das Verhalten der Gottesdienstteil-nehmer wurden schwerwiegend verändert.
Das Fazit ist schlicht und ergreifend erschütternd! Es ist ein Desaster für die katholi-sche Kirche, daß mit diesem Ritus jeder Protestant problemlos Abendmahl feiern kann, wie Roger Schütz treffend feststellte. Das hat auch der persönliche Freund Pauls VI., Jean Guitton, bestätigt: „Es war die Absicht Pauls VI. im Hinblick auf die Liturgie, im Hinblick auf das, was man gemeinhin die Messe nennt, die katholische Liturgie so zu reformieren, daß sie fast mit der protestantischen Liturgie zusammen-fiele … Aber ich wiederhole: Paul VI. hat alles in seiner Macht Stehende getan, um die katholische Messe – über das Konzil von Trient hinweg – dem protestantischen Abendmahl anzunähern.“ (in: Barth Heinz-Lothar, Die Mär vom antiken Kanon des Hippolytos. Untersuchungen zur Liturgiereform, Köln 1999, Authentische Stimmen zur Zerstörung der Messe, 151-152) Der Meßritus Pauls VI., der also ohne Schwierig-keiten von Personen gefeiert werden kann, die weder das Priestertum noch den Op-fercharakter der Messe anerkennen, ist wegen dieser Zwei- oder Mehrdeutigkeit als Ritus (!) zwar nicht an sich ungültig, aber in sich schlecht im Sinne von mangelhaft, und zwar unabhängig von der persönlichen Frömmigkeit des Zelebranten und der Gläubigen. Eine protestantisierende liturgische Revolution ist und bleibt keine Re-form des katholischen Lebens sondern eine Deformation. Dass die Praxis noch ärger ist als die brüchige Theorie beweist allein schon die Übersetzung der Wandlungs-worte in die Landessprachen. Papst Benedikt XVI. hat dazu bereits in einer Weisung der Gottesdienstkongregation vom 17. Oktober 2006 Stellung nehmen lassen. (Siehe dazu: Hauke Manfred, „Für viele vergossen“. Studie zur sinngetreuen Wiedergabe des pro multis in den Wandlungsworten, Augsburg 2008)
Wie ist der NOM 69, die neue Meßordnung von 1969, aus pastoralen Über-legungen zu beurteilen?
Anstatt Fels in der Brandung zu sein , wurde die „erneuerte“ katholische Li-turgie Spielball des Zeitgeistes.
1. Das beginnt bereits bei der Zelebrationsrichtung: „This new position makes wonderfully clear that the sacred being that is worshiped exists not outside the gath-ered community but rather inside it. It is a powerful symbolic reversal … what is happening here is a community worshipping itself. I strongly suspect that most of the time this is exactly what is happening. From a biblical point of view, what is hap-pening is a form of idolatry”, meint der protestantische Religionssoziologe Peter L. Berger (in: Lang Uwe Michael, Conversi ad Dominum. Zu Geschichte und Theologie der christlichen Gebetsrichtung, Freiburg 2006, 119) .
2. Liturgie ist kein persönliches Einbringen vielfach fixer Ideen oder ideologi-scher Utopien, sondern Leben in und aus der Kirche .
3. Jede Begegnung lebt von Formen, erst recht die Begegnung mit Gott . Er-schütternd ist vor allem auch der logisch nachvollziehbare Umgang mit dem „ge-weihten Brot“, welcher nichts mehr mit dem geschuldeten Respekt vor dem Allerhei-ligsten zu tun hat und daran gemessen sakrilegisch ist. (Siehe dazu: Lugmayr Martin, Handkommunion. Eine historisch-dogmatische Untersuchung, Buttenwiesen 2001 und Schneider Athanasius, Dominus est – Es ist der Herr. Gedanken eines Bischofs aus Zentralasien über die heilige Kommunion, Neusäß 2008)
Fazit: Man hat uns aufs schrecklichste beraubt!
4. Die Kirche hatte mit ihren paar Kultsprachen – beim römischen Ritus das Latein – nicht nur die Sicherheit der Weitergabe von Lehre und Kult, sondern vor allem auch ein völkereinendes und völkerverbindendes Instrument , das gänzlich widersinnig aufgegeben wurde. Die Folgen erinnern, im Gegensatz zum Pfingst-wunder, bei dem jeder Zuhörer die Predigt des Apostelfürsten Petrus in seiner Mut-tersprache verstanden hat, vielmehr an die Sprachenverwirrung beim Turmbau zu Babel.
Wenn die alltägliche Messe der katholischen Kirche in der sogenannten „nach-konziliaren Kirche“ zu einem „außerordentlichen“ Ereignis geworden ist, weist das darauf hin, welch weiter Weg zu „ordentlichen“ Verhältnissen noch vor uns liegt.

