Ein Sakramentale - Der Ritus der Beerdigung
Ein Sakramentale - Der Ritus der Beerdigung
Auch wenn die Zeremonien um die Beerdigung kein Sakrament sind, gehören sie doch wegen der damit verbundenen Segnungen zu den Sakramentalien.
„Man überließ also das als entscheidenden und schwierigen Akt angesehene Sterben nicht dem einzelnen Menschen. Die bewundernswerte Gottesdienstordnung zur Anempfehlung der Seele, der Ordo commendationis animae, wo Ergriffenheit und Zerknirschung mit den kühnsten Hoffnungen einhergingen, begleitete den in Agonie Liegenden unablässig mit flehentlichen Bitten an Gott, Anru-fung der Engel und Heiligen, gebieterischen Worten gegen den bösen Feind. Dieser Ritus betonte in hohem Maße die Gemeinschaft, denn da waren die Kirche der Engelwelt, die triumphierende Kirche und die pilgernde Kirche vereinigt. Er beruhte auf der Idee des Gerichts und der Barmherzigkeit, um-gab den Sterbenden mit all dem Kraftvollen und Schönen des Glaubens. … Der Ritus stellte eine Handlung der gesamten Kirche – der himmlischen wie der irdischen – dar, die dem Sterbenden bei-steht. Dieser führt die Akte aus, die er kann, und wird vertreten in dem, was er nicht zu tun vermag.
Die Exequien sodann spiegelten Frömmigkeit und Gebetsgesinnung wider; der Leichnam wurde durch Kerzen, Weihrauch und Besprengung mit Weihwasser geehrt. Der Priester hielt keine Lobrede auf den Verstorbenen, ja es war ihm sogar untersagt, sich die Grabreden mit anzuhören. Das Totengedächtnis und die Suffragien wurden mit der Messe am siebten und dreißigsten Tag wieder-holt, die Jahrestage auch mit gesungenen Seelenämtern begangen.“ (Romano Amerio, Jota Unum. Eine Studie über die Veränderungen in der katholischen Kirche im XX. Jahrhundert, Ruppichteroth 2000, 668-669)
Die „neuen“ Riten dagegen sprechen kaum von der unsterblichen Seele, geschweige denn von den Engeln, Dämonen, Gericht und Himmel oder Hölle. Die liturgische Farbe der Trauer, das Schwarz, ist abgeschafft und man soll statt Liedern der Trauer und Hoffnung nach Möglichkeit Aufer-stehungslieder inklusive Halleluja singen. Schließlich praktiziert man auch problemlos die Feuerbestattung, welche ursprünglich, wegen ihrer impliziten Leugnung der Auferstehung des Fleisches mit Exkommunikation belegt war. „Der Verlust des Eigencharakters der Kirche – selbst bei Dingen, die seit undenklichen Zeiten zur Tradition zählen und von hoher Religiosität zeugen – bewegt sich auf der gleichen Linie wie die generell festzustellende Anpassung an die Welt, die Verwässerung des Sakralen, das überhandnehmende Nützlichkeitsdenken und die Verdunkelung des jenseitigen, primären Menschenziels.“ (Romano Amerio, Jota Unum. Eine Studie über die Veränderungen in der katholischen Kirche im XX. Jahrhundert, Ruppichteroth 2000, 673)

