Schüler-Lehrer: die Busse
Schüler-Lehrer: die Busse
Viererlei sehr großen Nutzen haben wir von diesem Sakrament.
Schüler: Nun folgt das vierte Sakrament namens Buße. Erklären Sie mir bitte: Was ist das für ein Sakrament?
Lehrer: Das Wort Buße hat drei Bedeutungen. Erstens bedeutet es eine bestimmte Tugend, durch die der Mensch seine Sünden bereut. Das entgegengesetzte Laster heißt Unbußfertigkeit, also wenn der Mensch nicht bereuen, sondern in der Sünde verharren will. Zweitens bedeutet „Buße" den Schmerz, den der Mensch sich zufügt, um Gott für das Böse, das er getan hat, Sühne zu leisten. So sprechen wir davon, dass jemand schwere Buße tut, weil er sich mit Fasten und anderen strengen Dingen großen Schmerz zufügt. Drittens ist „Buße" ein Sakrament, das von Christus eingesetzt wurde, um denen die Sünden zu vergeben, die nach der Taufe die Gnade Gottes verloren haben, dann aber ihre Fehler bereut haben und in seine Gnade zurückkehren wollen.
Schüler: Was ist das Wesentliche an diesem Sakrament?
Lehrer: Zweierlei: die Beichte des Sünders und die Lossprechung durch den Priester. Denn Christus hat die Priester zu Richtern über diejenigen Sünden gemacht, die nach der Taufe begangen wurden, und er will, dass sie an seiner Stelle die Vollmacht haben, sie zu vergeben, wenn der Sünder sie bekennt und entsprechend innerlich vorbereitet ist. Demnach besteht das Bußsakrament in folgendem: Wie der Sünder äußerlich wahrnehmbar seine Sünden bekennt und der Priester äußerlich wahrnehmbar die Lossprechung ausspricht, so löst Gott im Inneren durch diese Worte des Priesters die Fesseln, womit die Seele gebunden war, schenkt ihr wieder seine Gnade und erlässt ihr die Strafe, die sie sich zugezogen hatte, nämlich, in die Hölle gestürzt zu werden.
Schüler: Was ist zum Empfang dieses Sakramentes notwendig?
Lehrer: Dreierlei ist notwendig: Reue, Bekenntnis und Genugtuung. Dies sind die drei Teile des Bußsakramentes.
Schüler: Was bedeutet Reue?
Lehrer: Dass das harte Herz des Sünders weich wird und gewissermaßen an Schmerz darüber zerbricht, Gott beleidigt zu haben. Doch näherhin enthält die Reue zweierlei, und das eine genügt nicht ohne das andere. Erstens dass dem Sünder wirklich alle seit der Taufe begangenen Sünden leid tun. Aus diesem Grund muss man sich gut erforschen, all seine Taten bedenken und Schmerz darüber erwecken, dass man sie nicht so verrichtet hat, wie es das heilige Gesetz Gottes vorschreibt. Zweitens ist notwendig, dass der Sünder den festen Vorsatz hat, nicht mehr zu sündigen.
Schüler: Was bedeutet Bekenntnis?
Lehrer: Dass der Sünder es nicht mit der Reue gut sein lässt, sondern vor dem Priester niederkniet, so wie Magdalena vor Christus niederkniete, und dort seine Sünden aufrichtig bekennt, ohne etwas hinzuzufügen, zu verkleinern oder irgendeine Lüge einfließen zu lassen; des weiteren einfach, ohne sich zu entschuldigen, anderen die Schuld zu geben oder viele überflüssig Worte zu machen; vollständig, indem er alle Sünden nennt, ohne irgendetwas aus Scham auszulassen, und indem er sagt, wie oft er jede von ihnen begangen hat, und die bedeutenderen Umstände nennt, soweit er sich daran erinnern kann; schließlich zerknirscht und demütig, indem er die Sünden nicht wie eine Geschichte erzählt, sondern sie wie etwas Beschämendes und eines Christen Unwürdiges bekennt und demütig dafür um Vergebung bittet.
Schüler: Was bedeutet Bußwerk?
Lehrer: Dass der Sünder die Absicht hat, Buße zu tun, und aus diesem Grund die Buße, die ihm der Beichtvater auferlegt, bereitwillig annimmt und sie so bald wie möglich verrichtet. Dabei muss er bedenken, dass Gott ihm ja die allergrößte Gnade erweist, indem er ihm die ewige Strafe der Hölle erlässt und sich mit einer zeitlichen Strafe begnügt, die noch dazu viel geringer ist, als die Sünden es verdient hätten.
Schüler: Sagen Sie mir jetzt, welche Nutzen dieses Sakrament bringt!
Lehrer: Viererlei sehr großen Nutzen haben wir von diesem Sakrament. Der erste ist schon genannt worden, dass Gott uns nämlich die nach der Taufe begangenen Sünden vergibt und uns die ewige Strafe der Hölle in eine zeitliche umwandelt, die in diesem Leben oder im Fegfeuer zu erdulden ist. Der zweite besteht darin, dass die guten Werke, die wir verrichtet haben, als wir in der Gnade Gottes waren, und die wir dann durch die Sünde verloren haben, uns durch dieses Sakrament wieder angerechnet werden. Der dritte besteht darin, dass wir von der Fessel der Exkommunikation befreit werden, falls wir vielleicht damit gebunden waren. … Der vierte und letzte Nutzen besteht darin, dass wir fähig werden, aus dem Schatz der Kirche Ablässe zu gewinnen, welche häufig von den Päpsten gewährt werden.
(Robert Bellarmin, Katechismen, 136-138)]

