Nachruf H. H. Pfarrer Alois Lederer
Nachruf H. H. Pfarrer Alois Lederer
Nachruf der GO: Am 23. Oktober verstarb H.H. Pfarrer Alois Lederer im Kreiskrankenhaus Bad Säckingen. Ein treuer Priester Jesu Christi gibt Gott seine Seele zurück nach einem langen Leben reich an Leiden und Freuden. Alois Lederer kommt am 5. Mai 1903 in Adelsberg, Gemeinde Zell im Wiesental, zur Welt. Zusammen mit seinen fünf Geschwistern wächst er auf dem elterlichen Bauern-hof auf.
Nach dem Abitur beginnt er das Theologie-Studium in Freiburg im Breisgau und bereitet sich auf das Priesteramt vor. Am 10. März 1929 weiht ihn Erzbischof Karl Fritz zum Priester der katholischen Kirche. Ein Priesterleben, das über sechs Jahrzehnte dauern wird, nimmt seinen Anfang. Zunächst ist Alois Lederer nacheinander in verschiedenen Pfarreien als Vikar tätig. Seiner (vorläufig) letzten Gemeinde, Hänner, steht er 28 Jahre als Pfarrer zur Verfügung. 1976 wird Pfarrer Lederer – wenigstens offiziell – in den Ruhestand versetzt, auf traurige Weise, welche die letzten, nicht weniger traurigen Wirkjahre als Pfarrer beenden.
Es sind die Jahre nach dem Konzil, tragisch für die Kirche, geprägt von den fortschrittsgläubigen, weltoffenen Totengräbern des Glaubens, die jeden aus dem Weg zu räumen bereit sind, der sich ihrem elenden Spiel entgegenstellt. Es ergeht Pfarrer Lederer wie den allermeisten von den Wenigen, die der überlieferten Liturgie und dem vollständigen Glaubensgut der Kirche treu blieben. Wem man nicht derart zusetzen kann, dass er physisch oder seelisch zerbricht, den entfernt man brutal aus seinem Amt. Um einen Anlass ist man nicht verlegen, Pfarrer Lederer zu entlassen.
Von „Ruhestand“ kann freilich nicht die Rede sein. Einmal in Obersäckingen niedergelassen, wird Pfarrer Lederer nach Basel gerufen – nicht von einem modernistischen Bischof (die besetzen verwaiste Stellen lieber mit Diakonen oder Laien), sondern von den Gläubigen, die kein neues Evangelium wollen. Für sie und mit ihnen feiert Pfarrer Lederer neun Jahre lang jeden Sonntag, zunächst auch dienstags, das hl. Messopfer. Als schliesslich 1985 das Priorat eröffnet wird, kommt Pfarrer Lederer immer noch gelegentlich nach Basel (mit grosser Freude feiert er 1989 mit „Seinen Baslern“ das 60-jährige Priesterjubiläum). Doch bleibt die Tür zu seiner Hauskapelle in Obersäckingen jedem offen, der an der Feier des hl. Opfers teilnehmen will – eine neue, letzte Gemeinde bildet sich um den greisen Priester.
Wie H.H. Pfarrer Lederer über seinen Einsatz in Basel dachte, offenbarte er uns noch auf dem Sterbebett: „Die Zeit in Basel war meine schönste. Nach all den traurigen Erfahrungen lebte ich da wieder auf …“ Er verriet schliesslich ebenfalls, was ihn allezeit aufrecht hielt: „Die Treue zum Breviergebet, das ich leidenschaftlich liebte und die Treue zum wahren hl. Messopfer, das ich stets würdig zu feiern bestrebt war.“
Mit den unrühmlichen Umständen freilich, die sein Begräbnis begleiteten, konnte niemand ernstlich rechnen. Seine direkten Angehörigen hatten nicht im Sinne, seinen letzten Willen zu respektieren. Doch schlimmer: Der Ortsklerus (inklusive Ordinariat in Freiburg) bot die Hand zu diesem unsauberen Spiel. Dass man keine Kirche für das Requiem zur Verfügung stellte, ist genauso beschämend wie leider auch den Erwartungen entsprechend. Denn für die „Lefebvre-Messe“ (Originalzitat des zuständigen Dekans) ist kein Platz mehr, das wissen wir. Ebenso beschämend, aber überraschend war es, dass man den Toten nicht dort begraben wollte, wo er es gewünscht (und schriftlich angeordnet) hatte; und dass man ferner nicht daran dachte, seinen letzten Willen hinsichtlich der Art seines Begräbnisses zu respektieren:
„Für meine Beerdigung ist unter Ausschluss jeder anderen kirchlichen Organisation allein die Priesterbruderschaft St. Pius X. zuständig. Diese wird mich unter Einhaltung der Riten vom Jahre 1962 … zum Grabe geleiten.“ (aus seinem geistigen Testament).
Dank der Intervention des Bürgermeisters von Bad Säckingen konnte schliesslich der Wille des verstorbenen Pfarrers in die Tat umgesetzt werden. Der Dekan bestand seinerseits darauf, vor dem Requiem und der Beerdigung im alten Ritus, in Anwesenheit der sterblichen Hülle Pfarrer Lederers eine Neue Messe zu lesen – eine Messe, die der Verstorbene nie gelesen und stets abgelehnt hatte. (Gegen Tote lässt sich’s leichter kämpfen!) Diese Vorgänge waren nur die Verlängerung dessen, was Pfarrer Lederer zu Lebzeiten auszustehen hatte. Dass dies alles seinen Sinn hat – wir glauben es, Pfarrer Lederer weiss es.
„Ich bin und bleibe Priester der röm.-kath. Kirche, in der ich getauft und erzogen worden bin. Aus Liebe zu dieser Kirche habe ich das Priesteramt auf mich genommen.“ (Pfarrer Lederer) R.I.P.

